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„ ,Ich kann Ihnen das gerne mal hierlassen‘, sagt er, scheinbar beiläufig, ,und Sie geben es mir irgendwann zurück. Zusammen mit Ihrer ehrlichen Meinung. Wie wäre das?‘ “ Von Markus Lesser bekommt Joe Bausch mehrere feinsäuberlich beschriftete Ordner vorbeigebracht, mit der Bitte sich diese Unterlagen doch einfach mal anzuschauen. Lesser sucht Bausch auf, um seine Unschuld zu beweisen.

Markus Lesser ist nicht der Erste, der in irgendeiner Haftanstalt in Deutschland, behauptet zu Unrecht dort zu sein. Er ist Gefangener in der Justizvollzugsanstalt in Werl, Joe Bausch war dort bis November 2018 der behandelnde Anstaltsarzt. Bausch nimmt sich die Zeit und schaut sich diese Unterlagen an. Und ihn erwartet Unglaubliches.

Als Arzt unterliegt er der Schweigepflicht und diese gilt im Gefängnis genauso wie irgendwo anders.  So ist er eben nicht nur Anlaufstelle für medizinische Probleme, bei ihm kommen auch Beschwerden an, die so vielleicht sonst keiner zu Gehör bekommt.

In seinem zweiten Buch „Gangsterblues“ schreibt Joe Bausch über Gefangene und ihre Geschichten, die er in seiner Zeit als Arzt in Werl erlebt hat. 12 Geschichten, die über den Alltag in deutschen Gefängnissen berichten sollen, nicht von den persönlichen Schicksalen der Gefangenen. Das ist auch der Grund für die literarische Verfremdung der Fälle, alle handelnden Personen hat er sich frei ausgedacht und auch die Geschichten, die er uns erzählt, sind keine Wiedergabe der Wirklichkeit, sondern spiegeln diese nur wider. Sie hätten alle so passieren können.

 „Maximale Kargheit in der Vollzugsanstalt ist gewöhnlich ein Hinweis, dass da einer noch nicht angekommen ist.“ Doch Joe Bausch steht hier in keiner Zelle, die erst seit kurzem bewohnt ist. Hier in der Zelle sitzt Hans-Dieter Struth seit schon fast zwanzig Jahren und trotzdem sind die Wände kahl, im Regal steht nur ein Buch und nicht einmal ein Fernseher befindet sich in dieser. Der Anstaltsleiter hat Bausch persönlich gebeten, Struth aufzusuchen.

„, Eine Unterschrift, Herr Struth, und Sie sind in Freiheit. Einfacher geht’s doch wirklich nicht. Wo ist denn das Problem?‘ […], Wissen Sie was: Ich habe nichts unterschrieben, um hierherzukommen, und nun werde ich auch nichts unterschreiben, um von hier wegzukommen‘“ Struth soll ein Gnadengesuch unterschreiben, der letzte Schritt vor der Freiheit für ihn. Er ist ein ruhiger Mensch, unauffällig und führt seine Arbeiten in der Zelle aus. Er hat wenig Kontakt zu anderen Gefangenen und ist gegenüber den Beamten stets höflich.

Denn auch diese Menschen gibt es dort, Menschen die unauffällig sind, keine Beschwerden vorbringen und auch keine Randale machen. Und auch hier versucht Bausch, herauszufinden, welche Geschichte dieser Gefangene hat. Dafür lässt er sich die Akte kommen und erfährt, wie Struth überhaupt im Gefängnis gelandet ist.

Auf 240 Seiten nimmt Joe Bausch uns mit in eine Welt, die den meisten von uns fremd ist, und zeigt mit einer wunderbaren Mischung aus Fiktion und Wirklichkeit, was hinter schwedischen Gardinen passiert. Sein erstes Buch „Knast“ ist ebenfalls bei Ullstein erschienen und widmet sich auch persönlichen Erlebnissen, die er in seiner Karriere hatte. Mit diesem Buch hat er wieder ein spannendes erzählendes Sachbuch geschrieben.

Joe Bausch, der den meisten wohl aus dem Kölner Tatort als Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth bekannt ist, ist mittlerweile im Ruhestand und kehrt dem Gefängnis nach über 30 Jahren den Rücken. Er widmet sich nun weiteren Buch- und Hörbuchprojekten und bleibt auch der Schauspielerei treu, der er sich schon zu Studiumszeiten verschrieben hatte.

  • Erzählendes Sachbuch
  • Ullstein Paperback
  • Hardcover mit Schutzumschlag
  • 240 Seiten
  • ISBN-13 9783864930560
  • Erschienen: 12.10.2018

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